Social Media im B2B: Soll ich einen neuen Kanal öffnen?

Adriano Tagliarina - Mittwoch, 20.7.2016
Geschätzte Lesezeit: 5 min

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Wenn Sie Social Media in Ihrem Marketingmix nutzen, dann wissen Sie, wie viel Arbeit das Bespielen diverser Kanäle macht. Aber Sie wissen auch, wie viel Return Sie durch dieses Engagement bekommen. Vielleicht liebäugeln Sie deshalb öfter einmal damit, einen weiteren Account auf einer anderen Plattform zu erstellen. Beantworten Sie folgende neun Fragen, um herauszufinden, ob sich eine weitere Social-Media-Präsenz für Sie auszahlen wird oder nicht.

1. Nutzen Ihre Personas dieses Netzwerk?

Auch wenn die allseits bekannten sozialen Netzwerke mit riesigen Nutzerzahlen Marketer die Ohren spitzen lassen, bedeutet das noch lange nicht, dass Sie auf jedem dieser Kanäle auch eine riesige potenzielle Fangemeinde um sich scharen können. Dazu ein vergleichender Blick zwischen Facebook und LinkedIn: In erstgenanntem haben rund 70 Prozent aller erwachsenen Internetnutzer einen Account, in dem Business-Netzwerk LinkedIn dagegen nur 25 Prozent. Daraus wird deutlich: Jedes Netzwerk zieht eine andere Nutzergruppe an – aus anderen Gründen und wegen anderer Inhalte.

Und nur weil ein brandneues soziales Netzwerk am Medienhimmel gerade besonders hell leuchtet, heißt das noch lange nicht, dass Sie sich zwingend darin engagieren müssen. Fragen Sie sich vor der Erstellung eines neuen Unternehmensprofils und dem Einsatz zusätzlicher Ressourcen lieber: Wo sind meine Personas aktiv und wo bzw. wie kann ich deshalb am besten mit ihnen in Kontakt treten? Personas sind übrigens mehr als Ihre grobe Zielgruppe – lesen Sie dazu auch diesen Blogbeitrag.

2. Wird dieser neue Account ein anderes Bedürfnis erfüllen als Ihre schon bestehenden Accounts?

Wenn Ihr Unternehmen bereits mit einem oder mehreren Profilen in den sozialen Medien erfolgreich unterwegs ist, haben Sie schon ein Publikum, das auf Ihre Inhalte neugierig ist. Wenn Sie einen neuen Social-Media-Account erstellen, beginnen Sie ganz von vorne mit dem Aufbau der Leserschaft. Wird es das wert sein? Können bestimmte Bedürfnisse der Leser mithilfe der bewährten Präsenzen noch nicht gestillt werden? Wurde etwa noch eine ganz neue Zielgruppe definiert? Oder gibt es ein Geschäftsziel, für dessen Erreichen es unbedingt und zweifellos noch eine neue Plattform braucht? Wenn Sie diese drei Fragen ganz klar mit Nein beantworten, dann sparen Sie sich die Mühe und investieren Sie sie lieber in Ihre bestehenden Accounts.

3. Haben Sie genug Zeit, um ein neues Profil anzulegen?

Zugegeben, ein paar Rahmendaten in eine Maske einzutragen und Enter zu drücken, dauert nicht lange – und schon ist Ihr Unternehmen mit einem neuen Profil online. Mit solch einer minimalen digitalen Visitenkarte werden Sie aber verständlicherweise weder Scharen an Interessenten anziehen noch mit ihnen interagieren können. Ihr Profil muss lebendig und umfangreich werden. Es muss genau wie alle anderen Konten mit hochwertigem Content gefüllt werden und im Stil eine deutliche Verwandtschaft mit Ihren weiteren Präsenzen haben. Um soziale Plattformen für Ihr Unternehmen sinnvoll nutzen zu können, bedarf es mehr als die bloße Weiterverlinkung externer Seiten, Artikel oder Events. Verwenden Sie soziale Netzwerke vor allem zur Streuung IHRER Inhalte, indem Sie z.B. auf relevante Blogartikel verweisen, die dem Besucher Ihres Profils einen echten Mehrwert liefern.Das verschluckt gut und gerne mehrere Stunden in der Woche. Haben Sie die Zeit dazu? Hat Ihr Team diese Zeit?

4. Haben Sie genug Zeit fürs Monitoring Ihres neuen Profils?

Ein Social-Media-Kanal ist dafür geschaffen, um mit Interessenten und Kunden zu kommunizieren. Und nicht nur, um eine stumme Werbefläche zu sein. Die Interaktion macht das Profil erst wertvoll für Ihre Marke. Insofern sind genügend Zeit und klare Verantwortlichkeiten unabdingbar für den Erfolg. Wer kümmert sich wann ums Sichten neuer Posts, Fragen und Kommentare? Und vor allem: Wer beantwortet sie innerhalb welcher Zeitspanne? Twitter zum Beispiel ist ganz vorne, wenn es um die Erwartungen der Nutzer zur Antwortgeschwindigkeit geht: 70 Prozent der User erwarten grundsätzlich Antworten auf ihre Fragen; über 50 Prozent erwarten innerhalb einer Stunde eine Reaktion. Wenn Sie nicht genügend Kapazitäten und Budget freischaufeln können, um in adäquater Zeit auf Kommentare und Anfragen Ihrer Follower und Fans zu reagieren, dann würde das Betreiben eines weiteren Social-Media-Accounts Ihrem Ruf eher schaden als nutzen.

5. Wie sieht Ihr Plan zur Content-Erstellung aus?

Die Inhalte sind es, die Ihren Kanal lebendig und interessant halten. Und die die Klickzahlen, Kontaktraten und Leads ankurbeln. Deshalb darf es nie an Zeit und Input für neuen hochwertigen Content mangeln. Aus welcher Quelle werden Sie also Inhalte für Ihren neuen Social-Media-Account schöpfen? Haben Sie so viel Material zur Verfügung, dass es für mehrere Posts pro Woche ausreicht? Um Ihren produzierten Content auch sinnvoll in verschiedenen Netzwerken teilen zu können - und dabei kanalspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen - ist das Aufsetzen eines gut durchdachten Social-Media-Plans zur Content-Erstellung essentiell. Ansonsten werden Ihre Postings schnell ineffizient und Sie vergeuden wertvolle Chancen auf den einzelnen Plattformen. Haben Sie die Muße, Zeit und die nötigen personellen Ressourcen für solch ein Vorhaben? Wenn nein, dann sollten Sie sich das Erstellen eines weiteren Accounts vielleicht lieber sparen.

6. Wie viele Posts könnten Sie pro Woche auf Ihrem neuen Account online stellen?

Sie müssen kein alter Marketing-Hase sein, um zu wissen, dass Kontinuität alles ist. Oder zumindest fast alles. Ihre Inhalte können noch so weltverändernd sein – wenn erst jeden dritten Tag, dann alle paar Wochen und schließlich nur noch einmal im Halbjahr ein neuer Beitrag seinen Weg auf Ihre soziale Online-Präsenz findet, wird das Ihre Umsatzzahlen nicht in die Höhe schrauben.

Ihr Plan zur Content-Erstellung (siehe vorige Frage) braucht als kleinen Bruder unbedingt einen Zeitplan zur Veröffentlichung des Contents. Und der sollte sehr eng und vor allem regelmäßig gestrickt sein. Ein vor sich dümpelnder und dösender Account fügt Ihrem Ansehen mehr Schaden zu als gar kein Account. Bedenken Sie bei der Frequenz Ihrer Posts unbedingt auch die Eigenheiten unterschiedlicher Social-Media-Kanäle bzw. das Nutzungsverhalten der Netzwerkteilnehmer. Während auf Twitter sehr kurze Frequenzen denkbar sind - 4-6 Posts pro Tag sind durchaus möglich, wenn auch eher unrealistisch - könnte jene Häufigkeit auf Facebook eher als störend empfunden werden. Und Sie möchten ja Ihr Netzwerk pflegen, nicht vergraulen.

7. Steht Ihnen Budget zur Verfügung, um den Account zu pushen?

Einen Social-Media-Account zu erstellen ist natürlich erst einmal gratis. Grundsätzlich ist es die Nutzung natürlich auch. Falls Sie allerdings ab und zu einmal einen Turbo zünden möchten, sollten Sie ein wenig Geld in Reserve haben. Social Advertising heißt das Zauberwort, das Ihnen hilft, Posts noch populärer zu machen und noch mehr Nutzern ins Auge zu springen. Ein kleines Budget kann Sie – zur richtigen Zeit angewendet – einen großen Schritt nach vorne bringen. Auch ein Premium-Account, wie beispielsweise auf Xing, kann Ihnen wertvolle Vorteile bei der Ansprache Ihrer Zielgruppe einbringen. Falls das Budget nicht genug hergibt, Sie aber dennoch Ihren Social-Media-Account im Unternehmen mit ein paar Kniffen effektiver gestalten wollen, schauen Sie doch auch bei folgenden Blogbeiträgen vorbei:

8. Welches Ziel verfolgen Sie mit einem neuen Account?

Nicht nur vor sich selbst, sondern vermutlich vor allem vor Ihren Vorgesetzten müssen Sie sich rechtfertigen, warum es sich lohnt, einen neuen bzw. gerade diesen einen Social-Media-Account zu erstellen. Definieren Sie deshalb klar, welche Ziele Sie mit einer neuen Präsenz verfolgen. Und legen Sie ebenfalls vorher fest, wie Sie das Erreichen dieser Ziele messen wollen oder können – in Leads, in Bewerbern, in Käufen? Erst, wenn die Aussichten realistisch und messbare Ziele festgelegt worden sind, ist es Zeit für einen neuen Kanal.

9. Warum ist die Zeit in diesen Account sinn- und wertvoller investiert als in andere Marketingaktivitäten?

Schauen Sie bei der Beantwortung dieser letzten Frage ganz genau hin. Nur weil Social Media 'In' ist, heißt das noch lange nicht, dass Sie jedem Trend blind folgen müssen. Natürlich ist nur zu raten auch auf sozialen Medien hinreichend präsent zu sein, um Ihren Unternehmenserfolg anzukurbeln. Welche Social-Media-Trends 2016 auf jeden Fall nicht unbeachtet bleiben sollten, können Sie hier nachlesen. Fragen Sie sich dabei aber ehrlich, ob es nun wirklich dieser eine Social-Media-Account sein muss oder sein kann, der alle anderen Marketingaktivitäten in den Schatten stellt. Oder gibt es noch ganz andere Taktiken und Strategien, die Sie fahren könnten? Schränken Sie Ihr Denken nicht ein und überlegen Sie wie Sie Ihr Marketingbudget sinnvoll verteilen können!

Möchten Sie noch mehr über soziale Medien erfahren?

Nun liegt es an Ihnen, die 9 Fragen zu wälzen und zu beantworten. Wir wünschen Ihnen einen kühlen und trotzdem auch immer begeisterten Kopf dazu! Für noch mehr Horizonterweiterung rund um die sozialen Medien haben wir für Sie unseren Ratgeber „Social Media im B2B“ geschrieben. Holen Sie sich die wichtigsten Tipps für die Nutzung von Facebook, Twitter und Co. und gestalten Sie so Ihren Unternehmensaccount effizienter. Einfach klicken und gratis downloaden.

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Kategorien: Social Media

Adriano Tagliarina

Adriano Tagliarina

Adriano Tagliarina ist Gründer und Geschäftsführer der TRIALTA, eine der ersten Inbound-Marketing-Agenturen in Deutschland.

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